Forschungsgruppen
Patient:innengenerierte Daten
Die systematische Einbeziehung der Perspektive von Patient:innen ist eine zentrale Voraussetzung für ein effizientes und nachhaltiges Gesundheitssystem sowie für hochwertige Gesundheitsforschung. Unsere Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Erhebung, Analyse und Interpretation patient:innengenerierter Daten und nutzt dafür ein breites Spektrum quantitativer und qualitativer Methoden. Wir führen Präferenzstudien, etwa Discrete Choice Experiments und weitere Präferenzbasierte Ansätze durch, um zu verstehen, welche Outcomes, Kompromisse und Versorgungsmerkmale für Patient:innen und andere Stakeholder besonders wichtig sind. Zur Erfassung von Bedürfnissen, Präferenzen und Alltagserfahrungen setzen wir Interviews, Fokusgruppen, Umfragen und Beobachtungen in unterschiedlichen Settings und mit diversen Patient:innengruppen ein.
Darüber hinaus analysieren wir qualitative Daten systematisch und kombinieren etablierte Methoden wie thematische Analysen und Framework Methoden mit skalierbaren Techniken für größere Datensätze. Bei Bedarf kommen Textanalyse- und Methoden des maschinellen Lernens, einschließlich Natural Language Processing (NLP), zum Einsatz, um große Mengen unstrukturierter Daten auszuwerten. Auf diese Weise gewinnen wir fundierte Erkenntnisse, ohne die Vielfalt und Tiefe der Patient:innenperspektiven aus dem Blick zu verlieren.
Health Outcomes Observatory und Value-Based Care
Die Arbeitsgruppe Health Outcomes Observatory und Value-Based Care befasst sich mit der Entwicklung und Implementierung patient:innenzentrierter Ergebnismessungen als Grundlage für eine wertorientierte Gesundheitsversorgung. Ziel ist es, relevante, vergleichbare und nutzbare Outcome-Daten systematisch in Versorgung, Forschung und Entscheidungsprozesse zu integrieren. Im Rahmen des Projekts Health Outcomes Observatory (H2O) der Innovative Health Initiative (IHI) bringen wir öffentliche und private Interessengruppen auf europäischer Ebene zusammen, um gemeinsame Standards für die Erhebung, Verwaltung und Nutzung von Outcome Daten zu entwickeln. Ein zentraler Schwerpunkt liegt dabei auf den Erfahrungen und Präferenzen von Patient:innen sowie auf der Stärkung einer sinnvollen und verantwortungsvollen Kontrolle der Patient:innen über ihre persönlichen Gesundheitsdaten.
Unsere Arbeit umfasst die Entwicklung und Umsetzung von Core Outcome Sets, die sicherstellen, dass Ergebnisse klinisch relevant, international vergleichbar und in unterschiedlichen Versorgungssettings und Ländern anwendbar sind. Darüber hinaus fördern wir partizipative Forschungsansätze, indem wir gemeinsam mit Patient:innen, Kliniker:innen und weiteren Stakeholdern Outcome-Frameworks, Datenerhebungsstrategien und Berichtsformate entwickeln. Dieser ko-kreative Ansatz stärkt die Relevanz, Transparenz und Akzeptanz der Outcomemessung.
Methodisch leisten wir Beiträge zur Outcomes-Forschung durch die Entwicklung und Anwendung innovativer analytischer Ansätze. Dazu zählen der Einsatz von maschinellem Lernen für Vorhersagen und Risikostratifizierung auf Basis patient:innenberichteter Daten sowie quantitative Methoden zur Strukturierung und Analyse von Patient:innenbefragungen, etwa NLP-basierte Kodierung, Themenmodellierung und die Integration von Mixed Method Ansätzen. Durch die Generierung robuster und vergleichbarer Daten zu realen Versorgungsergebnissen unterstützen wir evidenzbasierte Entscheidungen in klinischer Praxis, Gesundheitspolitik und Ressourcenallokation und tragen zu einer nachhaltigen, transparenten und patient:innenorientierten Weiterentwicklung des Gesundheitssystems bei.
Stamm T.A., Partheymüller J., Mosor E., Ritschl V., Kritzinger S., Alunno A., Eberl J.-M. (2023) Determinants of COVID-19 Vaccine Fatigue. Nature Medicine 29(5), 1164–1171.
Outcomes in der Arthritis und Rehabilitation
Diese Arbeitsgruppe verfolgt das Ziel, die Versorgung von Menschen mit entzündlichen und degenerativen Gelenkerkrankungen sowie weiteren Erkrankungen mit Rehabilitationsbedarf nachhaltig zu verbessern, indem wir Evidenz generieren, die unmittelbar in die klinische Praxis implementiert werden kann. Zu diesem Zweck führen wir klinische Studien und Ergebnisstudien durch, integrieren sensorbasierte Assessments und E-Health-Anwendungen und analysieren Routinedaten aus der Versorgung, um Wirksamkeit zu evaluieren und kontinuierliche Qualitätsverbesserungen zu unterstützen.
Darüber hinaus betreiben wir grundlagenorientierte und translationale Forschung in enger Zusammenarbeit mit Zentren für Rheumatologie, Orthopädie und Physiologie. Dabei verknüpfen wir mechanistische Erkenntnisse mit patient:innenrelevanten Outcomes, um ein besseres Verständnis von Krankheitsverläufen und Therapieeffekten zu erhalten und die Entwicklung zielgerichteter Rehabilitationsstrategien zu unterstützen.
Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf der Arthrose. Wir initiieren, koordinieren und betreiben eine Arthrose-Registerstudie, die eine langfristige Erfassung von Symptomen, Funktionsfähigkeit und Behandlungspfaden erlaubt. Dieses Register bildet eine zentrale Infrastruktur für die outcomesbasierte Forschung und die evidenzbasierte Weiterentwicklung individualisierter Rehabilitationsansätze. In diesem Kontext sind wir Gastgeber des Ludwig Boltzmann Instituts für Arthritis und Rehabilitation.